Leihseligkeiten

Was wir haben, hat die Welt uns nur geliehen. Wir gehen und geben es zurück, das meiste gut erhalten, eine Stelle weiterrückend auf der Zufallsuhr. Die Vernutztheit unsrer Lebens-Dinge – Tinte auf Papier, Talg auf einer Sessellehne, von Zähnen eingekerbte Spuren an einem Löffel – ist das, was die Physik von uns bewahrt. Unsre Fußspur in der Brandung, zwei Atemzüge Ewigkeit tief. Abrieb im Inneren des Stundenglases, dort, an seiner engsten Stelle, wo wir mit allem, was wir sind, hindurchmüssen. Und nur das, was wir nicht sind, ein Negativ unseres klarsten Lächelns, bleibt zurück.

Maupassant

 

Maupassant lief fünftausend Meter in fünfundzwanzig Minuten,

wanderte sechzig bis achtzig Kilometer an einem Tag und

schoss auf einer Jagd siebenunddreißig Rebhühner.

Er schwamm sechs Kilometer und zog insgesamt elf

Leichen aus der Seine.

Maupassant hielt Hunde, Katzen, Goldfische, Hühner, Papageien, Schildkröten

und lernte drei- bis vierhundert Frauen intim kennen und vergessen.

An einem Pariser Abend hatte er siebzehn Einladungen.

Er schrieb täglich drei Stunden und sechs Druckseiten,

eine zweiundsiebzigseitige Novelle in vier Tagen 

ohne eine einzige Korrektur.

Maupassant publizierte in zwölf Jahren achtundzwanzig Bände

sechsundzwanzigtausend Seiten (ohne die Zeitungsartikel)

verdiente an seinen Rechten achtundzwanzigtausend Francs

jährlich und erreichte in vier Monaten neununddreißig Auflagen.

 

(Maupassant sagte von sich: 

                   Ich empfinde die betrügerische Infamie des 

                     Lebens wie sie nur je einer empfunden hat.)

 

2004 erschienen in Frank T. Zumbach (Hg.): Das Balladenbuch, Artemis & Winkler

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